Von Verlusten und dem Eis

IceSwimmingGermanOpen

Okay, eigentlich sollte sich der heutige Blogeintrag ja um was ganz anderes drehen – doch, wie das Leben so spielt, kommt es erstens anders, als man zweitens denkt. Und das ist dann auch wieder der Punkt, der das Freiwasserschwimmen und das “normale Leben“ miteinander verbindet – es kommt immer anders als gedacht, und Du musst immer mit dem umgehen, was Dir das Leben und das Wasser so bietet; und das Beste daraus machen.

Eigentlich also sehr eng miteinander verknüpft – wie ich heute wieder lernen musste oder durfte. Und auch, dass Du letztendlich, bei allem doch alleine bist/sein wirst – und es dennoch immer Menschen um dich herum gibt, die für Dich da sind, sich um dich sorgen, an dem, was du so tust Anteil nehmen. Schizophren ? Vielleicht ein bisschen – andererseits, mal drüber nachdenken.

All das setzt jedoch voraus, das wir offen sind – offen, für Neues, offen für Anderes, offen für neue Sichtweisen, offen für neue, vielleicht auch unkonventionelle Vorgehensweisen. Offen für die Menschen um uns herum. Und wir müssen Vertrauen haben – Vertrauen in uns, in andere, in das Leben. Wir müssen fähig sein, uns den Dingen und Gegebenheiten anzuvertrauen und sie anzunehmen. Das heißt nicht, dass wir alles bedenken- und bedingungslos hinnehmen – doch immerhin sollten wir in der Lage sein, das Angebot des Lebens an uns anzunehmen und zu genießen.

Wie ich dazu komme ?
Am Morgen des 6. Januar erfuhr ich vom Tod eines guten Freundes.

TomYoungSchockierte mich schon die Tatsache, dass er tot ist, so gaben mir die „Art und Weise“ seines Todes, bzw. dessen Umstände oder seines Auffindens, auf die ich nicht näher eingehen will, sehr zu denken. Es hat mir aber auch wieder gezeigt, dass unser Leben wundervoll und großartig ist, wenn wir es zulassen. Ich bin noch immer tief betroffen und immer wieder bahnen sich Tränen ihren Weg. Und doch, überwiegt mittlerweile die Dankbarkeit darüber, dass ich diesen Menschen kennen lernen durfte. Dass ich Dinge durch seine Augen sehen konnte und ich vieles von ihm lernen durfte. Es gelang ihm stets mich zum Lachen zu bringen und er stärkte meinen Glauben an mich selbst.

Was hat das mit Schwimmen zu tun ?
Nichts und doch so viel.

Es zeigt, dass es immer wieder Situationen gibt und geben wird, in denen jeder von uns alleine ist; die er auch alleine bewältigen muss. So auch beim Freiwasserschwimmen – trotz Begleitboot und Crew und Supportern, bist Du alleine. Während der meisten Zeit des Trainings, bist Du alleine.

Alleine mit Deinen Gedanken, Deinen Emotionen ganz gleich, ob Freude, Euphorie, Angst, Schmerzen, Selbstzweifel. Mit all dem, bist Du zunächst einmal alleine; all das kann Dir niemand abnehmen. Auch die Momente, in denen Du erkennen musst, dass Du Dein eigentliches Ziel nicht erreichen wirst, bist Du alleine mit Dir. Der produktive Umgang damit, gelingt Dir nur, wenn eine gewisse Stärke in Dir wohnt. Und diese Stärke erreichen wir nur, durch Menschen die zur rechten Zeit einfach da sind.

Manche davon wissen oftmals gar nicht, was sie für uns tun. Sie machen uns stark und geben uns den nötigen Glauben an uns selbst. Sie verleihen uns den Mut und die Zuversicht, mit allem umzugehen, was auf uns zukommt. Um mit den größeren und kleineren Erfolgen, unseren persönlichen Niederlagen, unseren Ängsten, unserem Scheitern und unseren großen und kleinen Gedanken bestmöglich zurecht zu kommen. Die Momente des Alleinseins, manches Mal sogar des Einsam seins zu ertragen, die anderen zu genießen und unsere Träume auszuleben und über uns hinauszuwachsen.

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Am Wochenende stehen die Ice Swimming German Open im bayrischen Burghausen, mit Strecken von 450 m und 1.000 m an. Wer hier an den Start geht, braucht neben einem wirklich nur winzig kleinen Splin, eine gehörige Portion Mut, Stärke und Glauben an sich selbst. Ohne all dies ist allein das Training, das hierfür nötig ist nicht durchzustehen, dieses sich regelmäßige überwinden und auch über die Schmerzen hinwegzugehen. Abgesehen davon, dass Schwimmen in kaltem Wasser ganz eigene Gefahren in sich birgt.

Vor jedem einzelnen der Starter ziehe ich voller Ehrfurcht meine Badekappe und jedem einzelnen gilt mein höchster Respekt. Aber auch an Einsteiger ins Eisschwimmen wie mich wurde dabei von Oliver Halder und Christof Wandratsch gedacht. So gibt es auch Strecken von 25 m und 50 m „Länge“. Und ich kann Euch sagen, das wird mich alles an Überwindung kosten, was ich aufbieten kann. Bis Dienstagmorgen war ich mir auch gar nicht sicher, ob ich den Weg ins Wasser überhaupt finden werde. Seit Dienstagmittag weiß ich, dass ich meinen Luxuskörper dort hineinstürzen werde.

Warum ? Na ganz klar – in memoriam für “Tom Young“.

Einer der Menschen, der für mich zur rechten Zeit da war und dem ich viel zu verdanken habe. Außerdem weiß ich ganz sicher, dass es ihm kopfschüttelnd und lachend gefallen hätte, mich dort in der Gegend rumzittern zu sehen. Und außerdem, weil Sabine Croci, Norbert Trebing, Hamza Bakircioglu und Josef Köberl mir ziemlich sicher gemeinschaftlich einen dezenten Tritt verpassen werden, der mich ins Wasser befördert 😉

Am Freitagabend ( 8.01.) überträgt das Bayrische Regionalprogramm um 18.00 Uhr übrigens einen ersten Bericht und am Samstag (9.01.) ist Wandi zu Gast im ZDF-Sportstudio. Also keep frozen und unbedingt einschalten.

Meinen persönlichen Bericht zum fröhlichen Zittern könnt Ihr dann nächste Woche hier an gleicher Stelle lesen.

Hier findet Ihr übrigens noch, in Absprache mit Oliver Halder, ein paar Impressionen von den Vorbereitungen und dem Ablauf der Ice Swimming German Open. Schaut mal rein.

So läuft der Start ab.

So sieht das bei jemandem aus, der ein Meister darin ist – hier Christof Wandratsch, der die Ice Mile, erfolgreich in neuer Weltrekordzeit schwam

Die fleißigen Helfer und the Master himself scheuen weder Tod noch Teufel um die Strecke eisfrei zu bekommen.

Auch für unser leibliches Wohl ist mehr als bestens gesorgt – vermutlich werde ich zwischen Samstag und Sonntag 2 kg zunehmen …. :-/

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Anna,
    Dein Blogeintrag hat mich tief bewegt da ich ca. vor einem Jahr meine Mutter verloren habe (Krebs).
    Das Eiswasser schwimmen bzw das Ziel „Ice Mile“ haben mich darüber hinweg kommen lassen.
    Denke an dich!
    Josef

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