One Moment in Time

Es ist schwierig über etwas zu schreiben oder versuchen etwas zu beschreiben, das seinen Anfang vor nicht ganz 45 Jahren in der einfachen Frage eines kleinen Mädchens an ihren Vater hatte ( „Papa, kann man da rüber schwimmen“ ), dann in Vergessenheit geriet und als Idee vor ca. 18 Monaten wiedergeboren wurde. Sich recht schnell manifestierte und dann plötzlich zum Greifen nah war.

Schwimmend von Europa nach Afrika – von Spanien nach Marokko – einmal durch die Straße von Gibraltar.

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Die für mich größte Herausforderung dabei, lag in der Tatsache, dass es

  1. a) mein erstes Schwimmen im offenen Meer war und
  2. b) bei der zu erwartenden Wassertemperatur.

War meine Querung ursprünglich für Mitte August geplant, wurde es nun Mitte April. Jeder, der mich im noch im vergangenen Jahr in den Schwimmbädern erlebt hatte, kann ein Lied davon singen, dass ich, was die Wassertemperatur anbelangt, da durchaus als absolutes Pienzchen (für Nicht-Saarländer, ein weinerliches, jammerndes Etwas) durchgegangen bin. Bei 26°C war das Jammern schon deutlich zu hören. Und bei 12 Stunden und 20°C – 21°C kam ich mir schon extrem heldenhaft vor.

Einigen von Euch, bin ich auch in der konkreten Vorbereitung in Richtung Kaltwasserverträglichkeit, so ab Ende September vergangen Jahres bis einschließlich kurz vorm Start, ziemlich auf die Nerven gefallen. Hierfür möchte ich mich nochmals in aller Form entschuldigen und mich gleichzeitig bei Euch für Eure Engelsgeduld und die vielen guten Ratschläge bedanken.

Ebenso wie an Euren unerschütterlichen Glauben an mich, den Ihr selbst dann noch hattet, wenn er mir hin und wieder mal abhanden kam und Ihr wurdet auch nicht müde, mir diesen immer und immer wieder zurückzugeben. Danke!

So hatte ich einige von Euch in meinen Gedanken, als ich, nach einer 12-stündigen Anreise, k.o. Aber glücklich, Dienstagsabends in Tarifa ankam und meine wirklich schnuckelige kleine Ferienwohnung in der historischen Altstadt bezog. Wer mal gucken will, wo ich mein müdes Haupt gebettet habe guckst mal hier Tarifa Apartements falls jemand mal ne Unterkunft vor Ort sucht, alles prima binnen 5-6 Minuten zu Fuß zu erreichen, und trotzdem absolut ruhig. Prädikat: stimmungsvoll und empfehlenswert. Schöne Grüße an Marit 😉

Gleich Mittwochs gabs dann auch die erste Lagebesprechung, in der Rafael mir seine ganz persönliche Chaostheorie, bzgl. der Wellen- und Strömungsverhältnisse in der Meerenge von Gibraltar nahebrachte.

Am gleichen Abend erhielt ich dann auch die whatsapp-Nachricht, dass der Start wohl Freitags oder Samstags erfolgen würde. Was mir ganz gut zupass kam, konnte ich mich doch so noch ein bisserl mit dem Meer anfreunden. Wie ich hoffte …..

Voller Vorfreude und der Gewissheit, auf die Temperatur gut vorbereitet zu sein, machte ich mich also eiligen Schrittes auf den Weg zu einer kleinen Bucht, die, wie mir Rafael (Präsident ACNEG) sagte, ein klein wenig kälter war, wie das Wasser in der Meerenge. Frohen Mutes stürzte ich mich also in das herrlich klare Nass – ok, es war kalt, aber ok. Ohne jede Angst schwamm ich dann auch gleich aus der Bucht heraus und freute mich unendlich darüber, dass die Farbe des Meeres, der meines Sees, meiner Green Lady, glich. Was ich als gutes Omen sah..

Zweifel leiser, der

(c) Carlsen Verlag GmbH Hamburg

Doch dann, nach ca. 30 Minuten begann ich zu frieren, wie ich es schon lange nicht mehr tat. Ich schaffte es dann auch mal gerade nur noch weitere 10 Minuten überhaupt im Wasser zu bleiben und zitterte danach fast schlimmer als den ganzen Winter über in deutlich kälterem Wasser. Und mit jedem Zittern verließ mein Mut meinen Körper ein bisschen mehr und machten dem Alltagsmonster des Zweifels Platz.

Am nächsten Tag ging ich dann wieder zu der Bucht und ins Wasser – mit dem gleichen Resultat, wie Tags zuvor.

Alle Zweifel waren schlagartig wieder da – hatten etwa doch diejenigen recht, die mir ständig sagten, dass es zu kalt für mich war ?

Das war am Donnerstagnachmittag – gegen Abend dann die Nachricht, dass der Start zu meinem großen Abenteuer am Samstag gegen 9.00 Uhr sein sollte.

Also ging ich am Freitag wieder zu der Bucht und ins Wasser. Und wieder fühlte es sich kalt an, sehr kalt.

Doch im Gegensatz zu den Tagen zuvor, wurde mir nicht kälter und ich fühlte mich nicht nur gut, sondern einfach großartig. Das Wasser hatte wieder diese wunderbar grüne Farbe, die ich so lieb gewonnen habe und endlich kühlte es mich nicht mehr aus. Und genau mit diesem Gefühl verließ ich dann auch das Wasser.

Nach einer ruhigen Nacht mit erstaunlich viel Schlaf, war es dann soweit – der erste Schock aber dann beim Blick aus dem Fenster – Nebel!

Aber es war ja noch früh – sicherlich verzog er sich rechtzeitig ….

Also packte ich mein Bündel, mit sämtlichen Glücksviechern, die mich in den letzen Tagen und Wochen erreicht hatten und machte mich auf in Richtung Hafen.

Noch immer lag Tarifa und die Meerenge in tiefstem Nebel. Ab nun wurde 15-minütlich verschoben. Also erstmal noch n Kaffee trinken, Fische gucken – zum ca. zwanzigsten Mal an diesem Morgen mein Ankerlied hören. Dann begann sich der Nebel ein wenig zu lichten und endlich kam das ersehnte Signal. Zwar würde ich durch die spätere Startzeit nun eine ungünstigere Strömung bekommen, aber das ist halt Freiwasser – und das ist gut so.

Von helfenden und freundlichen Händen wurde ich dann in eine schicke Schicht aus einem Vasiline-Lanolin-Gemisch eingehüllt, auf das Navigationsboot verfrachtet und los gings. Noch ein letztes Mal mein Lied und dann waren wir auch schon am Startplatz.

Unbeholfen schaffte ich mich vom Boot und schwamm zu meinem Startfelsen. Signalisierte der Crew, dass ich bereit war, mein Pilot gab das Startsignal und ich schwamm los. Schwamm los, in der Gewissheit, nicht zu wissen, was auf mich zukommt, aber alles anzunehmen – und in Marokko an Land zugehen.

Nach 2 Stunden, in denen ich durch ein leicht diesiges Etwas schwamm, und mir sehnlichst die Sonne wünschte, damit sie mir wenigstens den Rücken wärmte, gewann diese dann auch den Kampf gegen die Wolken und schickte nicht nur Wärme sondern tauchte auch alles in ein herrliches Licht.

Ich freute mich an dem, was ich um mich herum und unter mir so alles sehen konnte. Fische und Meeresbewohner, die ich bislang nur aus dem Fernsehen kannte.

Winzig kleine silbrig glänzende Fischlein die um mich herum wuselten und mir den Eindruck vermittelten durch eine blaue Schneekugel zu schwimmen – halt nur mit Silberflitter gefüllt. Lebewesen, die an leuchtende DNA-Stränge erinnerten. Fische in unterschiedlichen Formen, Farben und Größen. Einfach so unbeschreiblich schön.

Nach geschlagenen 3 Stunden, in denen ich nichts anderes sehen konnte als Wasser und deren Bewohner, mein Zodiac, von wo aus ich auch regelmäßig verpflegt wurde ( alle 20 Minuten trinken, alle 40 Minuten Gel, alle 60 Minuten Salzstick) mein Naviboot und teils wirklich riesige Schiffe konnte ich das erste mal Land sehen – vor mir lag Marokko. Und doch sollte es noch 90 Minuten dauern, bis ich dort an Land gehen konnte. 90 Minuten, in denen ich tatsächlich noch durch einen Fischschwarm hindurch schwamm und mich unendlich darüber freute; in denen ich die Küste immer näher und näher kommen sah und es fast nicht mehr erwarten konnte. 90 Minuten in denen ich an all die Menschen dachte, die jeder auf seine ganz eigene Weise dazu beigetragen hatte, dass ich das alles hier erleben durfte und die mich mit Ihrem Glauben und Ihrem Zuspruch bis hier her begleitet hatten.

Und dann war es endlich so weit – nach 4:33 Stunden kroch ich, nicht gerade elegant in Almansa Point an Land, bzw. versuchte es, da die Felsen sowohl rauh als auch klitschig waren und in der Brandung nicht wirklich Halt boten.

Doch das war mir alles so furchtbar egal. Ich war dort und nur das zählte.

Ich schwamm zurück zum Zodiac in das man mich wie Moby Dick hineinhievte, das mich dann zum Naviboot brachte, wo ich mir was anziehen konnte, den eigens mitgebrachten Flachmann, den ich seit Februar dafür hortete, kreisen ließ während ich die mehr als 1-stündige Rückfahrt nach Tarifa genoss.

Hier das Ganze jetzt in einfachen, nackten Zahlen:

  • Die geschwommene Strecke betrug 16,6 km – von Tarifa nach Almansa Point –

wichtig zu wissen, für die, die noch an die MS-Stiftung Saar jeweils 1,00 Euro je km überweisen möchten
Spendenkonto DMSG- Landesverband Saarland e.V – SaarLB – Konto-Nr.: 500 11 220 – BLZ 590 500 00

  • Die Zeit betrug 4:33 Stunden
  • One way Überquerung Nr. 470 (ganz nach unten scrollen)
  • Die Wellenhöhe lag zwischen 0,5 m – bis 2,00 m – außer, wenn eines der fetten Schiffe vorbei kam, dann wurde es ein bisschen ungemütlich
  • Die durchschnittliche Wassertemperatur betrug ca. 16°C.
  • Windstärke 3 – 4
  • Wale, sogar springende, gab es von den Begleitbooten aus zu sehen, für mich waren sie leider unsichtbar
  • dafür gab sechs Begegnungen mit Quallen – eine besonders fiese noch ca. 800 m vorm Ziel ins Gesicht, von denen wiederum die  Herrschaften auf den Begleitbooten nichts hatten

Bedanken möchte ich mich ganz herzlich bei

  • Brillen Galerie Manfred Klein in Saarlouis
  • Restaurant Roter Hirsch in Heusweiler
  • Uschi Oestreich mit ihrer Firma OCC in Idstein
  • Gerhard Budy Personaltraining in Ingolstadt
  • sowie Alex Prokopowitsch von Aqua Sphere

Ohne die es das ganze Unternehmen in dieser Form nicht gegeben hätte.

Weiterhin in alphabetischer Reihenfolge: Hamza Bakircioglu, Sabine Croci, Günter Eckert, Doris Gerz, Peter Hücker, Peter Kadletz, Matthias Kaßner, Josef Köberl, Alfons Krämer, Uli Munz, Lars Piepkorn, Sergio Salomone, Mirjam Schall, Tom Young, den Mitgliedern der Facebook-Gruppe > Bist Du heute schon geschwommen < und denjenigen, die nicht namentlich genannt werden wollen.

Ach ja, ich schulde Euch noch die Antwort, die mir mein Vater auf meine Frage gab …
Er sagte damals: „Nein, das ist viel zu weit, da kann man nicht hinschwimmen.“
Ja Paps, man kann doch 😉 – er würde jetzt vermutlich sagen: „Du musst ja immer das letzte Wort haben.“

Die Bilder findet Ihr in einer eigenen Galerie.

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