Advent, Advent und Anna schwimmt

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Wie den Bildern zu entnehmen ist, konnte ich mich doch tatsächlich überwinden meinen Astralkörper den, für meine Verhältnisse, eisigen Fluten anvertrauen.

 

Danach gings dann auch gleich ins kuschelig warme Hallenbad – und ich muss sagen, die ersten 1.000 m waren die reinste Tortur. Die Muskeln schmerzten dermaßen, als wäre ich schon ein paar 20 km geschwommen. Danach gings dann etwas besser. Und ich hatte genügend Zeit meine Gedanken wieder auf den kleinen, schwimmerischen Grenzverkehr zwischen Lothringen und dem Saarland, zu richten.

Schon länger schwimme ich in dem, für mein Empfinden, traumhaften Hallenbad in Forbach, gleich hinter der Grenze.

Was das Bad zu (m)einem Schwimmertraum werden lässt, ist schnell erklärt: verfügt es doch über teils 50 m-Bahnen, 1 Extra-Bahn für Flossenschwimmer, 1 Bahn für Aquajogger, und auf allen anderen Bahnen geht es extrem diszipliniert zu.

Doch das allein ist es nicht, was dieses Bad für mich zu einem der Schönsten macht – es sind, wie so oft, die Menschen. Jeder grüßt jeden, bereits auf dem Parkplatz. Nach dem 3. oder 4. Mal wurde ich bereits mit Handschlag begrüßt, die Bademeister winken freundlich zu, die Mitschwimmer, ganz gleich ob langsamer oder schneller grüßen und unterhalten sich miteinander, holen sich Tipps oder geben welche und dabei ist es völlig gleich, wie alt Dein Gegenüber ist, in welcher „Liga“ er oder sie schwimmt, oder ob Du jetzt zufällig von der anderen Seite der Grenze kommst. Ja, selbst die „Sprachbarriere“ wird hier aufgebrochen. Man unterhält sich UND versteht sich; und sei es aus einem Gemisch aus Deutsch-Französisch-Dialekt-und-Englisch, und alle finden es (neben anstrengend) toll und lustig und alle haben eines gemeinsam – die entspannte Lust am nassen Element. Hier trainieren selbst Nationalmannschaftsschwimmer vollkommen entspannt neben Freizeitschwimmern und unterhalten sich miteinander, ohne jede Form von Allüren.

Warum ich das zum Thema mache? Immer wieder höre ich, die ( gemeint sind unsere lothringer Mitbürger ) reden aus Prinzip kein Deutsch, obwohl sie es doch können.

Sorry, aber welch Arroganz.

Wenn ich über die Grenze, zu unseren Nachbarn einkaufen gehe, liegt es an mir, sie in ihrem Land in ihrer Sprache anzusprechen. Meine Erfahrung zeigt auch, dass mein Gegenüber, wenn ich das tue, bemüht ist ein langsames Französisch zu sprechen oder mir sogar auf Deutsch entgegen kommt. (Und mal ganz ehrlich, die Zeiten, dass alle Lothringer Deutsch sprachen sind zudem schon lange vorbei.) Auch komm ich nicht umhin zu bemerken, dass die wenigen Besucher des Hallenbads, die kein Bonjour, Salue, ça vat oder hâllo oder auch nur ein Lächeln über die Lippen bringen, mit wenigen Ausnahmen, in der Regel meine Landsleute sind …. schade eigentlich – dabei kostet es so wenig und bringt so viel.

Ich jedenfalls freue mich, dass ich jedes Mal, wenn ich dort bin, freundlich begrüßt und in Gespräche verwickelt werde. Ganz nebenbei mein Französisch auf Vordermann bringen kann, und auch meinem Englisch ein wenig auf die Sprünge helfe, gute Tipps zum Schwimmen bekomme, vieles über unsere Nachbarn lerne, einiges zum Lachen habe …. und darauf, die Tage, mit einigen meiner Mitschwimmer auf den Marché de Noël einen vin chaud zu trinken. Etwas, das mit in all den Jahre, die ich hier bei uns schwimme, nur sehr selten, wenn überhaupt geschehen ist.

Merci beaucoup et je me réjouis

 

 

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